16. Juli: Überleben sichern / Nachtreport

Das Schöne, Urlaub nicht als Pauschaltourist mit DZ und HP in einem steril gehaltenen Hotel zu verbringen, ist ja, für sich selbst Sorge tragen zu müssen. Und während der Autor dann so in der Schlange an der Kasse steht, kann er auch noch bloggen. „Mein“ Supermercado liegt an der Schnell- Straße zwischen Eivissa und St. Antoni (in Vor-Corona-Zeiten die Partyhochburg vieler Brit*innen). Hier geht es alles – wie so oft in Spanien – cool ab, entspannt. Kund*innen und Kassiererinnen plauschen miteinander durch die Plexiglas-Scheibe- man kennt sich.

Zeit hat hier eine andere Bedeutung. Keine deutsche…

Die erste Nacht erlebe ich mit gemischten Gefühlen. Die Altstadt von Eivissa versucht zu funkeln, doch es liegt etwas darüber. Vielleicht ergründe ich es noch. Viele Läden sind (noch) oder schon ganz geschlossen, einige stehen bereits zur Weitervermietung/zum Verkauf bereit. Die kleinen Restaurants sind gut besucht – manche haben die Tische ordentlich auseinander gerückt, andere drücken dabei offenbar alle Augen zu. Und so sehe auch ich Ansammlungen von Menschen mit, meist aber ohne Maske, die sich umarmend begrüßen, lachen und feiern wollen. Die Bars sind Treff- und Schmelzpunkte einer Nachtkultur, die sich nicht unterkriegen lassen will. Einige Gay-Bars tragen neue Namen, andere sind gar nicht geöffnet. Keine Service-Jungs in knappen Höschen, keine Promotion-Truppen mit ihren überbordenden Kostümen, die für die Parties in den großen Clubs wie Pacha oder Amnesia werben und dabei Bändchen (Verringerter Eintritt bis xx Uhr) verteilen und „Chupitos“ (kleine Schnäpse) einsammeln.

Nein, ich sehe kein „Ballermann-Publikum“. Keine Auseinandersetzungen. Man sitzt und schaut und redet und versucht, alles normal aussehen zu lassen. Meine Freunde Lars und Andreas und ich diskutieren lange, was es ist, was so schön an diesen Orten ist. Was uns her zieht … Etwas, das zu uns gehört, zu unserem Leben. Offenheit, Fröhlichkeit, Lebensfreude. Gay heißt fröhlich – right!! Droht das alles nur noch zur Erinnerung zu werden? Wir wehren uns anständig gegen diesen Gedanken. Wir trinken und lachen und schauen.

Zu vermieten/wird vermittelt. Viele Läden in Ibiza-Stadt haben schon aufgeben müssen.

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