18. Juli: Erinnerungen und Zuversicht

Party ? Hier nicht. Am Playa d‘en Bossa ist fast alles, was Spaß gemacht hat, verrammelt.

Ich sehe die Bilder aus Bulgarien (ARD-Kontraste) oder aus den Ballermann-Kneipen auf Mallorca. Junges Partyvolk, das sich keine Gedanken (mehr) macht um Corona, das lässt einen den Kopf schütteln. Doch das, was ich hier zu sehen bekomme, ist ebenso erschütternd – in umgekehrter Weise. Ganze Straßenzüge in der Party- und Clubhochburg Playa d‘en Bossa sind verriegelt. Nur kleinere Supermärkte und ein La Sirena-Warenhaus haben geöffnet. Keine jungen Leute, keine Musik, kein Lachen. Die Cafés und Bars und Souvenir-Läden – dicht. Das Eingangsgebäude zum Hotel- und Partykomplex „Ushuaïa“, wo sonst große LED-Bildschirme die Weltstars des Dance ankündigen – DJ‘s wie David Guetta, Martin Garrix, Felix Jaehn – alles zugenagelt. Ein trostloses Bild.

Eine Erinnerung: Auftritt von David Guetta 2015 im Ushuaïa.

In der Stadt kommt die Zuversicht zurück. In meiner Lieblings-Eisdiele, dem Gelato Ibiza auf der Vara del Rey bereiten sie die Wiedereröffnung vor. Akkurat wird gemessen, für die Abstandskleber auf dem Fußboden. Gelato Ibiza hat eine eigene Fanseite bei Facebook. Nicht nur die 30 Sorten handgemachtes Eis machen abhängig – auch der Espresso ist hier einfach „magico“.

Das Gelato Ibiza ist ein Hotspot – für tolles Eis.

Nachts drängen sich die Menschen auf den Plätzen in den Restaurants. Auch hier sehe ich nicht überall den angeordneten Abstand (1,5 – 2 Meter). Manch Betreiber meint wohl, Corona sei vorbei. Tatsächlich sprechen die Zahlen auf den Balearen-Inseln Mallorca, Ibiza, Menorca und. Formentera von etwas mehr als 2200 nachgewiesenen Infizierten. Mehr als 200 Menschen starben hier an oder mit Corona. Aktuelle Karten weisen die Inseln allerdings ohne neue Fälle aus. Immerhin.

Kein Blau – keine Infektionen? So einfach ist es wohl nicht. Aber ermutigend.

Leise ist Ibizas Hauptstadt geworden. Am Hafen fehlen die lauten Ticket-Verkäufer für die Clubs. Aus den Bars kommt kaum noch das „Bumm-Bumm“ der leidlich gleichen Dance-Mugge. Stattdessen Strassenmusik. Gitarrenklänge. Sanfte Stimmen an verschiedenen Plätzen, die das Leben besingen und dann mit Bastkörbchen, wie mit einem Klingelbeutel, rumgehen. Living la vida loca? Nein. Die Lieder sind getragen schön und schaffen eine hier bisher nicht gekannte Atmosphäre.

Auf eine Wand hat jemand ein Zitat von Marc Aurel gekritzelt: „Wo es möglich ist, zu leben, ist es (auch) möglich, gut zu leben.“. Vraiment.

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