24. Juli: Eigenbeobachtung und Fragen – ein Kommentar

Was bin doch für ein Egoist… Fliege ich einfach eine Woche nach Ibiza. Unverantwortlich. Man weiß doch, dass es dort jederzeit zu einer Ansteckung mit dem Corona-Virus kommen kann. Worte fliegen mir um die Ohren, die ich immerhin eine Woche lang ausgeblendet hatte und die mich jetzt – in Deutschland – gnadenlos einholen. „Risikogebiet“ ist so ein Wort. STOP! Ibiza gehört(e) nicht dazu – während meiner sieben Tage. „Massen-Party“ ist auch so ein Wort. Ich habe auf der Insel keine solchen Parties (wie in Bulgarien) erlebt. Gut gefüllte Plätze und Strände ja, aber keine Parties. Und dann noch: „Flughafen-Tests“. Wer aus dem Süden oder dem Süd-Osten Europas kommt, soll sich freiwillig abstreichen lassen können. Kostenlos – was das Social-Media-Bürgertum besonders aufregt.

Strandbar „Chiringay“ / Ibiza – no mask.

Sicher, mit Tests bei der Wieder-Einreise wäre es wohl möglich, akute Infektionsfälle zu orten. Das Problem ist nur, die Inkubation – also die Zeit von der Ansteckung bis zu Symptomen einer Infektion – kann bis zu 10, ja sogar 14 Tage dauern. Negative Testergebnisse am Flughafen sagen also noch gar nichts. Was wäre dann eine Lösung? Etwa tägliche Tests? Oder eine Selbst-Quarantäne nach der Rückkehr aus dem Urlaub? Ich denke, wer die Länder des Schengen-Raums als Reiseländer freigegeben hat, und das waren Gesundheits- und Außenpolitiker, musste wissen, dass mit den Öffnungen das Risiko für Neuinfektionen steigen würde. Die Alternative wäre eine weitergehende Schließung dieser Länder für Reisen gewesen. Shutdown für die Saison. Komplett. Wer wollte das vertreten?

Im Netz scheinen Auslands-Reisende nunmehr zum absoluten Gesundheitsabschaum zu gehören. Die Kommentare unter den Schlagzeilen meiner Heimatzeitungen lassen kein gutes Haar an jenen, die außerhalb der deutschen Grenzen und besonders der des eigenen Landes unterwegs waren oder sind. Als handelte man nur dann verantwortlich, wenn man zuhause bliebe. Im Nordmagazin der NDR wird mir ein Paar präsentiert, dass den Sommer (der ja noch keiner ist) auf dem Balkon ihrer Wohnung im Plattenbau in Rostock verbringt. Kann man natürlich machen. So wird aber die Debatte nicht funktionieren.

Sundowner in Figueretas

Diese Debatte müsste zunächst unterstellen, dass eigenverantwortliches Handeln möglich und zutraubar ist. Und zwar jeder/m und egal, wo man/frau sich gerade befindet. Ob im öffentlichen Raum der Heimatstadt oder einem anderen Ort, ob im eigenen oder im fremden Land. Ob im Flugzeug, im Bus oder im Taxi. Ob auf einem Campingplatz in Bad Doberan oder an der Badebucht auf Ibiza. Unterstellt werden müsste, dass allen die Gefahren einer Ansteckung und Grundregeln zu deren Vermeidung bekannt sind. Auch die Gründe von Einschränkungen müssen weiter kommuniziert werden (ob nun für jede/n einleuchtend oder nicht spielt dabei keine Rolle). Die Debatte müsste zudem weg vom ständigen Alarmismus. Es wird nichts besser, wenn Menschen den ganzen Tag Alarmmeldungen per Nachrichten-App erhalten. So wird letztlich nur die Gleichgültigkeit gefördert, nicht aber mehr Aufmerksamkeit.

Meer und Wind und keine Menschen.

Ich spüre, dass mich die Woche auf der Insel erholt, aber auch angestrengt hat. Der Urlaubs-Rhythmus mit seinen langen Strand- und Entdeckertagen und den dann doch kurzen Nächten fordert seinen Tribut. Ich schlafe… Auch eine Art, dem Wahnsinn „da draußen“ gerade ein wenig zu entgehen.

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